Im Jahr 2020 wird Deutschland von rechtsextremer Gewalt erschüttert: der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anschlag auf die Synagoge in Halle und die Morde in Hanau. Für Irmgard Schmidt ist klar: So kann es nicht weitergehen. Zunächst denkt sie daran, einen Ableger der »Omas gegen rechts« zu gründen – entscheidet sich dann aber bewusst dagegen: Warum den Personenkreis einschränken? Ziel ist vielmehr ein breites Bündnis aus engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertreterinnen und Vertretern der Lübbecker Parteien.
Auf ihre Initiative hin treffen sich viele Menschen zu ersten Gesprächen. Schnell findet sich auch ein Name: »Lübbecke zeigt Gesicht«. Zu den Unterstützern der ersten Stunde gehört unter anderem Michael Hafner.
Seitdem hat das Bündnis mit zahlreichen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht: Bürgerinnen und Bürger zeigen Gesicht auf Collagen, mehrere hundert Menschen setzen bei Kundgebungen ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus, Bänke werden anlässlich »75 Jahre Menschenrechte« gestaltet, und mit Aktionen wie »Lübbecke wärmt« und »Lübbecke hört zu« wird gesellschaftlicher Zusammenhalt gelebt. Auch die Menschenkette in der Corona-Zeit bleibt vielen in Erinnerung. Diese Aufzählung ist längst nicht vollständig – doch eines ist klar: In wenigen Jahren ist »Lübbecke zeigt Gesicht« zu einer festen Größe geworden. Man nimmt uns wahr und man hört uns zu.
Seither hat sich die gesellschaftliche Lage nicht entspannt. Weltweit zeigt sich, wie verwundbar Demokratien sind. In Ländern wie den USA, Ungarn oder Polen werden unabhängige Institutionen unter Druck gesetzt, Gerichte und Medien delegitimiert, Grundrechte eingeschränkt. Auch in Deutschland beobachten wir besorgniserregende Entwicklungen: Der Ton wird rauer, Sprache wird genutzt, um Menschen abzuwerten, und historisch belastete Begriffe kehren in den öffentlichen Diskurs zurück. Grenzen verschieben sich zunehmend.
Um diesen Entwicklungen noch entschlossener und nachhaltiger begegnen zu können, treffen sich am 25. Juni 2025 rund 20 engagierte Mitglieder des Bündnisses, um den Verein »Lübbecke zeigt Gesicht e. V.« zu gründen. Gemeinsam beschließen sie eine Satzung und legen damit den Grundstein für die zukünftige Arbeit auf einer festen organisatorischen Basis.
Seit der Gründung ist der Verein weiter gewachsen und hat neue Mitglieder gewonnen. So erhält das Engagement eine noch stärkere Struktur – und die gemeinsame Arbeit für Demokratie, Vielfalt und Respekt eine klare und dauerhafte Stimme.
Von Beginn an ist Irmgard Schmidt gleichzeitig Motor und Herz des Bündnisses. Mit ihren Ideen, ihrer Zivilcourage und ihrer großen Beharrlichkeit hat sie das Bündnis geprägt und immer wieder inspiriert, nicht nachzulassen. Mit der Vereinsgründung übergibt sie den Staffelstab jedoch an Marie-Luise Bernotat und Michael Hafner, die als Vorsitzende die weitere Entwicklung des Vereins gestalten.