„Lübbecke zeigt Gesicht“ hatte zu einem Vortrag von Michael Moser vom Institut für Kirche und Gesellschaft mit anschließender Diskussion in das Andreas-Gemeindehaus eingeladen. Den Fachvortrag unter dem Thema „Die Strategie der ‚Neuen Rechten‘ gegen die liberale Demokratie“ vermittelte Daniel Kapteina von der Fachstelle NRWeltoffen des Kreises Minden-Lübbecke.
Viele der gut 80 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten zuvor am Friedensgebet zum Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine teilgenommen, bei dem Ukrainerinnen von ihrem Alltag im Krieg berichteten und für die Unterstützung in Lübbecke dankten. In einer Schweigeminute gedachten die Anwesenden der Opfer des anhaltenden Krieges.
Vereinsvorsitzende Marie‑Luise Bernotat begrüßte die Gäste und hob hervor, wie wichtig Engagement, Zivilcourage und eine offene Stadtgesellschaft für den Schutz der Demokratie seien. Angesichts von Hass, Gewalt und antidemokratischen Tendenzen müsse man wachsam bleiben und die Strategien erkennen, mit denen demokratische Strukturen untergraben würden. Anschließend übergab sie das Wort an Michael Moser, wissenschaftlicher Referent für politische Bildung im Themenfeld Rechtsextremismus beim Institut für Kirche und Gesellschaft.
Moser erläuterte, wie Akteure der „Neuen Rechten“ gezielt Sprache, Bilder und emotionale Erzählungen einsetzen, um politische Diskurse zu beeinflussen. Er beschrieb einen breit angelegten „Infokrieg“, der auf Framing, Desinformation und Selbstverharmlosung setze, um gesellschaftliche Debatten nach rechts zu verschieben. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er, wie rechte Kommunikationsstrategien funktionieren und welche ästhetischen Mittel genutzt werden, um Anschlussfähigkeit zu erzeugen.
Er stellte die Entwicklung vom klassischen Neonazismus hin zur „Neuen Rechten“ dar, die sich äußerlich vom Nationalsozialismus distanziere, aber weiterhin völkisches Denken, Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Anti‑Feminismus verbreite. Besonders alarmierend sei die zunehmende Offenheit, mit der „Remigration“ als politische Lösung propagiert werde.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass viele Teilnehmende die Analyse als hilfreich empfanden, um aktuelle Entwicklungen besser einordnen zu können. Einigkeit bestand darin, dass gründliche Information, gute Lokalpolitik und ein solidarisches Miteinander zentrale Bausteine für den Erhalt der Demokratie seien. Auch die Rolle junger Menschen rückte in den Fokus: Die jüngsten Wahlergebnisse zeigten, dass sie besonders anfällig für rechts‑nationalistische Propaganda seien. Umso wichtiger sei es, glaubwürdige Vorbilder sichtbar zu machen und alternative Lebensentwürfe zu stärken.